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Die Etikette
spielt im traditionellen Karate eine gewichtige
Rolle, denn sie geht weit über das hinaus, was man
im Westen unter Regeln oder Disziplin versteht. In
der Etikette drückt sich die innere und äußere
Haltung des Karatekas aus - sie legt das rechte
Verständnis des Weges und das Bemühen um Fortschritt
offen.
Kampfkunst ohne Etikette verkommt zum Kampfsport, da
sie wichtiger innerer Bestandteile beraubt und auf
moderne, äußere Maßstäbe reduziert ist. Im Sport ist
die Etikette nebensächlich und unerwünscht und schon
die traditionelle Meditation am Beginn und Ende des
Trainings im seiza wird
bestenfalls müde belächelt, keineswegs jedoch von
Sinn her erfasst.
Für viele
Vereine und Trainingsgruppen gibt es keinen eigenen
Ort des Weges, kein
eigenes dojo. Man
trainiert in Hallen, die außerhalb des
Karatetrainings für andere Zwecke genutzt werden.
Die Schaffung eines eigenen, traditionell
eingerichteten dojo ist
bei uns im Westen ein Ziel, das leider sehr oft nur
mit enormen finanziellen Anstrengungen zu
verwirklichen ist.
Das
dojo ist nicht nur ein
Trainingsraum, sondern ein Ort der Meditation und
der Weiterentwicklung seiner Fähigkeiten in der
jeweiligen Kampfkunst. Es ist dabei nicht
wesentlich, ob es sich um einen eigenen
Trainingsraum handelt - dort, wo trainiert wird,
fügt man sich in bestimmte Regeln.
Eine Verneigung bei Betreten des
dojo mag für manch
einen anfangs eine Last sein, später verbindet man
mit diesem Ritual aber ein inneres Gefühl, geprägt
durch die vielen Erfahrungen, die man gerade in
diesem dojo hat machen
können. Aus der bloßen rituellen Verneigung vor dem
Partner kann eine Geste echter Wertschätzung werden
und aus dem zu Beginn noch dahingesagten
oss (Kurzform für
onegai shimasu) wird
später ein Zeichen des Verständnisses des Gegenüber.
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Der
Karatemeister Sakugawa Shungo (1733-1815) entwickelte seine fünf
Dojoregeln auf der Grundlage des chinesischen
dojokun, das bis auf Bodhidharma zurückverfolgt werden kann. Ihr
Vortrag ist unter anderem win wichtiger Bestandteil des Abgrüßens am
Ende jeder Lehrstunde, ihr Inhalt regelt das Verhalten im
dojo und auch darüber hinaus.
Nachfolgend die fünf Grundsätze in
kanji, den japanischen Schriftzeichen, in
für uns lesbarer japanischer Sprache und in der sinngemäßen deutschen
Übersetzung.

1
Hitotsu,
jinkaku kansei
ni
tsutomeru koto.
Eins
ist: vervollkommne deinen Charakter !
2
Hitotsu, makoto no michi o mamoru koto.
Eins
ist: bewahre den Weg der Aufrichtigkeit !
3
Hitotsu, doryoku no seishin o yashinau koto.
Eins
ist: entfalte den Geist der Bemühung !
4
Hitotsu, reigi o omonzuru koto.
Eins
ist: sei höflich !
5
Hitotsu, kekki no yu o imashimuru koto.
Eins ist: bewahre dich vor übertriebener
Leidenschaft
(... vor verletzendem
Verhalten) ! |
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1 Der Körper soll sauber
gehalten werden. Um Verletzungen zu vermeiden sollten Finger-
wie
auch Zehennägel kurz geschnitten sein. Lange Haare werden
zusammengebunden.
2 Schmuck und Uhren
werden vor dem Training abgelegt.
3 Nach dem Genuss von
Alkohol wird nicht am Training teilgenommen.
4 Kaugummis sind
während des Trainings nicht erlaubt.
5 Ist die Trainingsfläche mit
tatami ausgelegt, sollten diese nicht mit
Schuhen betreten
werden.
6 Trainiert wird in einem sauberen und kompletten
karategi.
7 Gespräche unter den Trainierenden sind während des Trainings auf
das wirklich Notwen-
dige
zu beschränken. Für ein effektives Training ist es wichtig, dass jeder
konzentriert
trainieren
kann und dies auch tut. |
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Wenn man zu spät zum bereits
begonnenen Training kommt, setzt man sich nach Verbeugung in Richtung
Dojo, im seiza neben der Tür ab. Ist das
dojo mit Matten, den
tatami ausgelegt, geschieht dies außerhalb dieser Matten.
An diesem Platz wartet man
ohne zu reden auf das Zeichen des Lehrers am laufenden Training
teilzunehmen. Die oft beobachtete Unsitte, zwar auf die Aufforderung des
Lehrers zu warten, die Wartezeit aber mit gymnastischen Übungen oder
Gesprächen zu verbringen, ist in Japan undenkbar, bei uns zeugt sie
lediglich davon, dass der Betreffende keinen Anstand kennt.
Sollte der Lehrer noch nicht
eingetroffen sein, setzt man sich an den in der Regel der Graduierung
entsprechenden Platz in der Reihe der Trainierenden und bleibt dort
ruhig im seiza sitzen. Dies geschieht
natürlich und ohne Gespräch. Dojo bedeutet nicht Ort der Unterhaltung.
Man wartet auf den Lehrer, den sensei.
Dieses Warten alleine ist bereits eine Übung. |
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Besondere Aufmerksamkeit gilt dem
gemeinsamen, rituellen Abgruß zu Beginn und Ende des Trainings. Auch
hier gibt es keinen einzig richtigen Weg, je nach Trainingsort
differiert das Ritual etwas.
Selbstverständlich werden alle Kommandos in japanisch gegeben. Das
dojokun wird ebenfalls auf japanisch
rezitiert, wobei in einigen dojo nach dem
japanischen Satz die sinngemäße deutsche Übersetzung folgt.
整列
seiretsu
In
einer Reihe aufstellen !
正座
seiza
Abknien und gerade/ aufrecht sitzen
黙想
mokuso
Meditation !
黙想止め
mokuso yame Ende
der Meditation !
間目
kaimoku
Öffnet
die Augen !
dojokun
Am
Ende des Unterrichts Rezitation durch den sempai,
den
höchsten Schülergrad (kann auch ein Danträger sein). Jede Regel
wird durch die kohai, die untergeordneten
Schüler, wiederholt.
正面に礼
shomen
ni rei
Verbeugung
zur Front oder
神差に礼
shinza
ni rei
Verbeugung
zum Sitz der Ahnen (Altar) !
先生に礼
sensei
ni rei
Verbeugung
zum Lehrer/ Meister !
起立
kiritsu
Aufstehen
!
相互に礼
otagai
ni rei
Verbeugung
zueinander !
相互に礼
oss
...
hier: Dank am Ende des Trainings
Wer üben möchte, kann sich
das Dojokun in japanischer Sprache
hier
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anhören. Die Aufnahme stammt
von sensei Okazaki Hiroyoshi, vormals 6. Dan JKA (Japan Karate
Association), heute 7. Dan ISKF. |
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Es gibt mindestens zwei
prinzipielle Methoden einen Gürtel, den obi
zu binden - einmal auf dem Rücken überkreuzt und einmal übereinander
liegend.
Für viele stellt sich die Frage: … welche Art ist die ältere, welche die
bessere, welche die wahre ? Als Antwort eine Gegenfrage: … für wen oder
was ist dies denn so wichtig ? Im Bushido Oberkirch wird die Methode
praktiziert, den Gürtel auf dem Rücken nicht zu überkreuzen, was unter
anderem für die Gymnastik und den Bodenkampf sehr vorteilhaft ist.

Man teilt die Länge des obi in der Mitte.
Diese Mitte legt man im aufgeklappten Zustand auf den Bauchnabel. Die
beiden Gürtelenden werden nun um den Bauch herum bis zum Rücken geführt.
Bei Methode Nummer 1 werden die Gürtelenden auf dem Rücken überkreuzt,
bei Methode Nummer 2 übereinander gelegt. Die Gürtelenden werden dann
wieder nach vorne geführt, der Logik folgend natürlich auf der gegenüber
liegenden Seite. Vorne wird ein normaler Knoten gebunden. |
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Die geistige Haltung eines
Karatekas drückt sich auch in seiner äußeren Erscheinung aus. Man muss
nicht gerade einen teuren gi (die
Trainingskleidung eines Karateka) kaufen, aber er sollte nicht so
aussehen, als hätte man darin geschlafen.
Wer wissen will, wie man einen
Karateanzug zusammenlegt, kann sich
hier
|||
eine kleine Animation
ansehen.
Nach dem Training kann man
auch einen verschwitzten gi zusammenlegen,
um ihn zu Hause auszuhängen oder zu waschen. Wer seine Trainingskleidung
unachtsam in die Sporttasche wirft, braucht sich nicht zu wundern, wenn
der gi danach entsprechend aussieht und wer
möchte schon in einem „Lappen“ trainieren ? |
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onegai
shimasu wird im japanischen Alltag sehr häufig und in vielen
Zusammenhängen verwendet. Die Kurzform oss
ist weitestgehend auf das Training im dojo
beschränkt.
Eine der möglichen Übersetzungen in Bezug auf das Karatetraining lautet
„ ich bitte um Unterweisung “, eine andere nur ein höfliches „ bitte “
oder auch nach einer Aufforderung des Lehrers und am Ende des Trainings
einfach „ Danke für die Hilfe “.
Übersetzung aus der
englischen Ausgabe von Shihan Kanazawa Hirokazu S. K. I. Kumite Kyohan …
„ … Das aus dem japanischen
stammende oss ist aus der Welt des Karate
fast nicht mehr wegzudenken. Es wird von zahllosen Praktikern
verschiedenster Nationalität verstanden und ausgetauscht, nicht nur bei
der Gelegenheit eines alltäglichen Grußes, sondern auch als Synonym für
„Danke“, „schön dich zu sehen“, „Tschüss“, „Verstanden“ oder „Ich habe
verstanden“.
Es sollte aus dem Unterbauch kommen und Respekt, Sympathie und Vertrauen
zum Gegenüber ausdrücken. Schreibt man oss,
so benützt man hierfür zwei chinesische Zeichen. Das erste Zeichen
押
bedeutet in etwa „schieben“ oder „bewegen“ und symboli-siert den
Kampfgeist, die Wichtigkeit der Bemühung und die Überwindung aller
Hindernisse auf positive und ungebrochene Art. Das zweite Zeichen
思
bedeutet „Leiden“ oder „Leidensfähigkeit“ und drückt Kraft und Ausdauer
im Erleiden von Schmerz und im geduldigen Widerstand gegen Depressionen
aus, alles ohne aufzugeben und frohen Mutes … “ |
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Die Regeln innerhalb des dojo
lassen sich in vielen Punkten auch auf das Verhalten außerhalb
übertragen. Dies bedeutet allerdings nicht, dass man mit
versteinertem Gesicht herumläuft, als hätte man einen Stock
verschluckt. Viel eher können diese Regeln für den Einzelnen eine
Hilfe bei der Bewältigung der alltäglichen Schwierigkeiten
darstellen.
Auch der für unsere
Sichtweise so streng reglementierte Japaner kann ausgelassen und
manchmal auch feuchtfröhlich feiern. Problematisch wird es nur, wenn
er zu den 50% der ostasiatischen Bevölkerung gehört, denen aufgrund
eines Gendefekts ein zum Abbau von Alkohol wesentliches Enzym fehlt. |