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Prüfungen - Ausarbeitungen Theorie

 

In unseren Prüfungen wird zusätzlich zum regulären Prüfungsprogramm die Erläuterung von vorgegebenen Begriffen verlangt. Jeder Prüfling ist so gehalten, sich mit dem betreffen Thema ausführlich zu beschäftigen. Auf dieser Seite sind die theoretischen Ausarbeitungen unserer Kyu-Prüfungen veröffentlicht.

 

 
Bushido
 

Daniel Marzullo

 

武士 Bu shi

Bestehend aus zwei Zeichen, wobei das Zeichen bu für den Bereich des umfassenden militärischen steht. Das Zeichen shi, steht hingegen sinnbildlich für allgemeinen Begriff Mensch. Beide Begriffe zusammen ergeben die Begrifflichkeit Mensch des Militärs und somit im übertragenen Sinn den Begriff „Krieger“.

 

Do

Besteht aus einem Zeichen. Bei diesem Zeichen, das sehr oft als „Weg“ beschrieben ist, handelt es sich vielmehr um die Kernaussage, „verantwortungsbewusst einen Weg beschreiten“.

 

Zusammengefasst könnte man das Wort Bushido wie folgt interpre-tieren: ... Lebensweg eines Menschen, der eigenverantwortlich handelt und als Krieger seinen Weg bewusst geht.

 

Das Wort Bushido
 

Um das Wort Bushido besser verstehen zu können, muss man in die Vergangenheit reisen. Ähnlich den im Mittelalter aufkommenden Stand der Ritter, die einem Kodex folgten, etablierte sich in der Zeit des Feudalismus (Lehnswesen) in Japan die Samurai. Nachdem zwei Kriegerkasten (Taira/ Minamoto) sich große Landstriche Japans zu eigen gemacht hatten, war ein Aufeinandertreffen dieser Kasten unausweichlich.
Diese Schlacht der zwei größten Kasten, konnte das Geschlecht der Tairas für sich entscheiden. Nachdem die Führer der Minamoto-Kaste hingerichtet waren, wurde die Regierung entmachtet und eine neue Militärregierung etabliert. Von nun an waren die Begriffe Shogun und Samurai die neue Doktrin Japans.
Nach den letzten großen Kriegen und dem Aufeinandertreffen der zwei großen Kasten, gab es viele Krieger ohne Aufgaben. Da es sich hier um stolze und ehrenhafte Menschen handelte, konnten diese nicht in den Stand des Bauern, Kaufmanns oder Handwerker wechseln, ohne ihr Gesicht zu verlieren und damit ihre Ehre. Dennoch sahen viele ihre Zukunft darin, ihre Ehre aufzugeben und in eine andere Kaste zu wechseln. Dies war die Zeit der Ronin, herrenloser Krieger, die ohne Aufgabe das Land durchstreiften.
Während dieser Zeit formte sich aus einem viel älteren Kodex, dem „Kyuba-mo-Michi“ (Weg des Bogens und des Pferdes), und dem bis dahin tödlichen Kriegs- und Kampfkünsten, langsam aber stetig das Bushido und damit der „Weg des Kriegers“.
 
Dieser Kodex wird sehr gerne auf sieben Prinzipien festgeschrieben. Tatsache ist, dass von Ryu zu Ryu Prinzipien hinzu kamen und andere weggelassen wurden. Was sich jedoch durch alle Schulen zog, war Gi oder Giri, Redlichkeit/ Gerechtigkeit und Tugend. Ebenso Chu/ Chugi eine unbegrenzte Treue gegenüber dem Lehnsherrn. (siehe auch die 47 Giri/ Ronin).
Um einige Prinzipien, die gleichzeitig auch als Tugenden empfunden wurden, aufzuführen, hier die wohl sieben gebräuchlichsten:

 

義 Gi - Redlichkeit und Gerechtigkeit
Ehrenhaftes Verhalten bei allen Begegnungen die Du hast. Entschei-dungen die mit Vernunft getroffen sind und von der Vernunft bestimmt sind.

勇 Yu - Mut

Hierbei handelt es sich um das Einschätzen einer Situation um dann die beste Entscheidung treffen zu können. Nicht hirnloses und unüberlegtes Handeln.

 

仁 Jin - Milde/Mitgefühl
Um die Arroganz der Samurai zu dämpfen, waren sie verpflichtet Anderen wohlwollend entgegen zu treten und auch das Schöne der Welt, das einen umgibt, zu schätzen. Es war auch die Pflicht eines Samurai, sich mit anderen Künsten vertraut zumachen, die nicht vom Bushido bestimmt waren.
   
礼 Rei - Höflichkeit/Etikette
Hierbei handelt es sich um Respekt gegenüber Anderen, nicht als Floskel wie es heute die meisten Menschen mit „Wie geht es Dir“ meinen, sondern als aufrichtiges Gefühl der Achtung.

誠 Makoto (auch 真 Shin) - Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit
Das Wort eines Samurais war etwas heilig. Was ein Samurai sagte, trug solch ein Gewicht, das ein Zweifeln an den Worten eine Beleidigung der Ehre darstellte. Wie gesagt, so getan.
   
名誉 Meiyo - Ehre
Die Ehre war das höchste Gut einen Kriegers. Er wusste sowohl um seine Privilegien als auch um seine Pflichten und kam beiden mit dem gleichen Respekt nach. Wurde die Ehre eines Samurai verletzt, so wurde diese bei Fremdverschulden durch den Tod des Betreffenden wieder hergestellt, bei Eigenverschulden durch Seppuku, den rituellen Selbst-mord.
 

忠義 Chu - Verpflichtung zur Loyalität
Hier wird das Wohlergehen der Gruppe vor das Wohlergehen des Einzelnen gestellt. Da der Samurai sich aus dem Staat hervorgehend betrachtet, war es für ihn eine Selbstverständlichkeit, diesem und seinem Herren absolute Treue zu leisten.
Die Konsequenz daraus war, dass ein Krieger lächelnd in den Tod gegangen ist, mit dem Bewusstsein, dass durch seinen Tod Ehre und Ruhm erlangt werden konnte.

Neben den sieben Prinzipien/Tugenden gab es noch die fünf Hauptforderungen an den Charakter eines Samurais, die durch das Bushido bestimmt waren:
 

Treue ... gegenüber dem Herrscher und dem Land ... gegenüber den Eltern und der Familie ... gegenüber sich selbst

       
Höflichkeit ... Respekt ... Einfachheit ... Etikette

       
Tapferkeit ... Intelligenz ... das Leben zu lieben und zu leben ... sich Erheben

       
Offenheit und Aufrichtigkeit ... Ehre ... Wahrheit

       
Einfachheit ... Reinheit

Die Quellen des Kodex liegen im Buddhismus, um die Gelassenheit zu erlangen Dinge zu nehmen wie sie kommen, im Zen, um die Konzentration und die eigene Stärke zu entwickeln in Form der Meditaion und im Shintosimus, der die Loyaliät des Bushido beinhaltet.
Die philosophischen Quellen des Bushido liegen bei Konfuzius und seinem Schüler Meng Ke. Durch sie wurden die Samurai geprägt.

Symbol

Als Symbol des Bushidos gilt die Kirschblüte, da diese in ihrer schönsten Blüte vom Baum fällt, galt es den Samurai als erstrebenswert in der Blüte des Lebens im Kampf zu sterben.

Aktualität

Sicherlich stellt sich die Frage, in wieweit dieser Kodex aus einem feudalistischen Japan heute noch Gültigkeit hat. Jahrhunderte lang war Bushido das Zentrum jeder Samurai-Erziehung. Im Laufe der Zeit wurde dieser Kodex auch vom Volk aufgenommen und zum Inhalt kulturellen Handelns gemacht.
Der Geist des Bushido lebt nach wie vor in Japan fort. Doch wurden im Laufe der Zeit, durch politische, kulturelle und gesellschaftliche Handlungen die Prinzipien und Tugenden angepasst oder sogar entfremdet. In vielen Verhaltensweisen der Japaner kann man noch die Auswirkungen des Bushidos erkennen. Begriffe wie Ehre und Loyalität haben heute einen anderen Stellenwert als dies vor Jahrhunderten der Fall war.

Bushido in den Kampfkünsten

Die modernen Kampfkünste, haben leider ihren erzieherischen Aspekt verloren bzw. sind auf dem besten Weg dies zu vollziehen. Ein guter Trainer wird nicht nur die Techniken vermitteln, sondern auch die Werte und Prinzipen die hinter dem steht was er lehrt. Doch bereits hier beist sich die Katze in den Schwanz.
Wenn z. B. Karate nur noch als Übungsform für Gymnastik verwendet wird und jeder der noch Werte wie z. B. Respekt oder Achtung/ Wertschätzung vermittelt, angegangen wird, dann ist Bushido weiter entfernt den je. In den meisten Verbänden verkommen diese Werte und werden durch den Begriff Sport ersetzt.

Sicherlich haben die meisten Europäer Schwierigkeiten sich mit Begriffen wie Tapferkeit, Einfachheit oder Ehre zu identifizieren. Doch auch schon die Begriffe Wertschätzung, Respekt, Aufrichtigkeit oder Höflichkeit leiden in den meisten Dojos. Das Dojokun, das sich an den Prinzipien des Bushido anlehnt, erfährt leider nicht mehr die Achtung die es verdient.

Viel entscheidender ist wie jeder Einzelne mit diesem Kodex umgehen. Ob und in wie weit er noch Einzug in unser Leben hält. Wenn nicht wir, die wir die Künste des Kampfes lernen und lehren, diese Prinzipien achten und uns daran ausrichten, wer sonst?

 

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